ELSE BENNE
Diplom-Volkswirtin
Gestalttherapeutin DVG

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Januar 2007

GuckenDonnerstag, 18. Januar 2007

Keiner hört mir zu!

Mehr oder weniger verzweifelt, klagt darüber hin und wieder jeder. Völlig zu Recht, erfuhr ich jüngst. In einem der Unterhaltung dienenden Telefonat rief ich mit einer Frage Unmut hervor. Um das Umschlagen in Mißmut zu verhindern, versuchte ich die Ortung des Fettnäpfchens. Stein des Anstoßes war angeblich meine absolute Behauptung. Erstaunt warf ich ein, daß ich keine Behauptung aufgestellt, sondern etwas gefragt hätte. Es sei allgemein bekannt, wurde ich belehrt, daß lediglich 7 Prozent einer Botschaft über das Hören aufgenommen würden, und das Nonverbale (am Telefon!) und der Kontext entscheidend seien. Zu später Stunde setzte die Verwunderung darüber ein, daß die Empirie den Bankrott menschlicher Kommunikation aufgedeckt haben sollte. Dies träfe ganz sicher zu, würden 93 Prozent des Gesprochenen gar nicht zur Kenntnis genommen. Ich könnte mir also fast all meine Worte sparen, weil eh keiner zuhört, sondern meiner Stimme, meiner Mimik, meinen Gesten und meinem Schuhwerk entnommen wird, was ich denke. Natürlich mache ich mir keine Illusionen darüber, was für ein schwieriges Unterfangen Verständigung ist – das läßt schon das tägliche Nachrichten-Potpourri nicht zu. Aber bei einer derart miesen Quote müßte das Reden nahezu eingestellt und das Telefon könnte ohne Schaden abgeschafft werden, da beim Telefonieren ja auch noch die Körpersprache als Kommunikationsmittel wegfällt. Der Siegeszug dieser technischen Errungenschaft ist aber noch munter in Gang, also kann unser Geplapper so autistisch nicht sein, befand ich und begab mich im Internet auf die Suche nach Quellen dieser „wissenschaftlichen” Erkenntnis.

Auf einschlägigen Seiten zum Thema Kommunikation las ich tatsächlich häufig und mit Staunen, durch Untersuchungen sei erwiesen, daß eine Botschaft zu 55 Prozent auf nonverbalen Elementen (Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung, etc.), zu 38 Prozent auf vokalen (Stimme, Tonfall, Artikulation, etc.) und nur zu 7 Prozent auf verbalen Elementen (Inhalt in Worten) beruhe. Auf den Ursprung dieses „Allgemeinwissens” stieß ich erst nach einiger Mühe. Den Zahlen liegt eine Forschungsarbeit zugrunde, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von Prof. em. Albert Mehrabian in den USA veröffentlicht wurde. Die Studie war umstritten, und in der Forschung wurde damals offenbar der nonverbale Anteil an der Kommunikation unterschätzt. Untersucht wurde die relative Bedeutung verbaler und nonverbaler Botschaften bei inkonsistenter Kommunikation, wenn also das Gesprochene mit unstimmigen Körpersignalen einhergeht. Im Hinblick auf Sympathie setze sich die Gesamtwirkung zusammen aus 7% des Gesagten, 38% des stimmlichen Ausdrucks und 55% des Gesichtsausdrucks, fand Mehrabian heraus. Die Gleichung besitze jedoch nur dann Gültigkeit, wenn der Redner über seine Gefühle oder Haltungen spreche. Schlicht gesagt: Wenn jemand mit wütendem Gesichtsausdruck versichert, wie sehr er sich freut, wirkt er unglaubwürdig und die Zuhörer verweigern ihm Platz eins als Sympathieträger.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit können weder auf Kommunikationssituationen im Allgemeinen übertragen werden, noch ist die Schlußfolgerung zulässig, der Inhalt einer Aussage sei beinahe bedeutungslos. Mißgedeutete Forschungsergebnisse und ihre hartnäckige Verbreitung in Gestalt von Glaubenssätzen kann rein verbalen Elementen jedenfalls ein ziemlich langes Leben bescheren. Und ganz nebenbei kann unser Weltbild manchmal zum Prokrustesbett für unsere Wahrnehmung mutieren.

Internetquellen:

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© Else Benne 2007